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30 Jahre Ruhr, zehn Jahre Marxloh

30 Jahre Ruhr, zehn Jahre Marxloh
Pierre-Laurent Aimard ist Träger des Siemens-Musikpreises, des „Nobelpreises für Musik“. Er wird nächste Woche in Duisburg das Klavier-Festival ruhr eröffnen. FOTO: Marco Borggreve
Marxloh. Mit einem Konzert von Pierre-Laurent Aimard wird am Donnerstag, 19. April, das Klavier-Festival Ruhr 2018 eröffnet. In Marxloh dagegen ist eigentlich das ganze Jahr Klavierfestival. Von Thomas Warnecke

"Vive la France" ist das Motto des diesjährigen Festivals, Als Hommage auf den 100. Todestag von Claude Debussy und um 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die deutsch-französische Freundschaft zu feiern. Das Eröffnungskonzert steht ganz im Zeichen dieser Jahrestage. Der französische Meisterpianist Pierre-Laurent Aimard wird im ersten Teil eine kaum bekannte Sammlung von Werken interpretieren, die nach dem Tod Debussys als Hommage an ihn geschrieben wurden, u.a. von Paul Dukas, Igor Strawinsky oder Béla Bartók. Im zweiten Teil des Konzerts stehen mit Debussys "Images" und den "Douze Études" zwei Juwelen der französischen Klavierliteratur auf dem Programm.

Wie lange so ein Meisterpianist an seinem Konzertprogramm arbeitet und dafür übt, wissen wir nicht. In Marxloh aber wird das ganze Jahr fürs Klavier-Festival geprobt – nachdem jetzt auch die Grundschule Regenbogen dabei ist, an allen Marxloher Schulen. René Ochodlo ist Lehrer für Sport und Englisch am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. Unter anderem leitet er einen Profilkurs Gymnastik/Tanz – da kommt das Festival ins Spiel. Seine Elftklässler arbeiten in einem Education-Projekt mit Grund- und Förderschülern zusammen. Viele von ihnen kommen da erstmals mit klassischer Musik in Kontakt. Das stärke die soziale Kompetenz, berichtet René Ochodlo; die Schüler übernehmen Verantwortung füreinander und erfahren Bestärkung durch den Applaus, wenn sie ihr Projekt aufführen. "Beifall von 800 Leuten, das macht was mit den Schülern", so Ochodlo.

Seit zehn Jahren leistet das Klavier-Festival seine Bildungsarbeit in Marxloh und erreicht damit mittlerweile mehr als 500 Kinder und Jugendliche im laufenden Schuljahr. "Wir wollen auch den Sinn für Schönheit einpflanzen", erklärt Festivalintendant Franz Xaver Ohnesorg die Motivation. Nicht nur Schüler, sondern auch zukünftige Lehrer werden eingebunden; so absolvieren zwei Musiklehramtsstudenten der Folkwang-Uni mit der Grundschule Sandstraße.

In der Gebläsehalle im Landschaftspark Nord wird es zwei Projektpräsentationen geben, am 28 Juni und am 3. Juli. Begleitet von den Pianisten Fabian Müller und Lorenzo Soulès werden rund 400 Kinder und Jugendliche aus Marxloh die farbenreichen Kompositionen von Claude Debussy und seinen Zeitgenossen in ganz eigene Klang- und Bewegungswelten umsetzen.

Es gibt jetzt schon keine Karten mehr für die beiden Präsentationen, denn erstmal sind Familien und Angehörige der Kinder dran. Es gibt aber für beide Konzerte Wartelisten – falls nicht alle Familien auf die für sie reservierten Karten zugreifen.

Es stehen allerdings auch noch weitere großartige Konzerte in Duisburg auf dem Programm des Kavier-Festivals Ruhr, das übrigens vor genau 30 Jahren vom Initiativkreis Ruhr begründet wurde.

Neben dem Eröffnungskonzert nächste Woche spielt der aufstrebende Tastenkünstler Víkingur Ólafsson am 8. Mai in der Gebläsehalle ein Programm, in dem er die Franzosen Jean-Philippe Rameau und Louis-Claude Daquin mit ihrem deutschen Zeitgenossen Johann Sebastian Bach und alle drei mit Johannes Brahms in Beziehung setzt.

Am 10. Juni kommt Jazz-Star Till Brönner in die Mercatorhalle. Auch dort wird er Trompete spielen, hat aber den schwedischen Jazzpianisten Jacob Karlzon dabei – und außerdem die fabelhafte WDR Big Band!

Außerdem gibt's zweimal Klavier im Duett in Duisburg: Die Brüder Anthony und Joseph Paratore spielen am 11. Juni in der Gebläsehalle Rimski-Korsakows "Scheherazade", eine Chopin-Sonate und Milhauds "Scaramouche" in Fassungen für zwei Klaviere und außerdem eins der zauberhaftesten Stücke Musik überhaupt: Maurice Ravels "Ma mère l'oye (Mutter Gans)". Das Duo GrauSchumacher spielt Debussys berühmtes "Prélude à l'après-midi d'un faune" sowie Werke von Schumann und Saint-Saëns in Fassungen für zwei Klaviere am 18. Juni in der Gebläsehalle.

Vor dem Konzert schon dürfte es unterhaltsam werden, wenn das "Quartett der Schallplattenkritiker" über die beste Aufnahme dieses "Nachmittags eines Fauns" streitet.

(Niederrhein Verlag GmbH)