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"Dispargum" - Jahresberichte der Stadtarchäologie
Wir sind alle Trojaner!

"Dispargum" - Jahresberichte der Stadtarchäologie: Wir sind alle Trojaner!
Das Mercatorviertel, Planungsdezernent Carsten Tum zeigt drauf, ist nicht nur städteplanerisch, sondern auch archäologisch allererste Lage in Duisburg. Brigitta Kunz, Kai Thomas Platz und Kollegen haben’s gründlich dokumentiert. FOTO: tw
Duisburg. Wer als Bauherr in die Erde geht, muss im Verdachtsfalle die Archäologen holen; seit 2013 ist das Denkmalschutzgesetz verschärft worden. Viel zu tun für Kai Thomas Platz und seine Kollegen. Was sie 2016 so im Duisburger Untergrund entdeckten, haben die Stadtarchäologen jetzt im ersten Band einer neuen Reihe festgehalten. Von Thomas Warnecke

Für Planungsdezernent Carsten Tum spielt Duisburg "in der ersten Liga, was die Archäologie angeht" (Witze mit "mal graben, wann der MSV erstklassig war", verbieten sich an dieser Stelle). Hand in Hand gehen Archäologie und Stadtplanung etwa beim Mercatorviertel südlich des Burgplatzes, dessen Straßen sich an den archäologisch gesicherten historischen Verläufen orientieren sollen. Mit der laufenden Nummer 01 beginnt denn auch im Jahresbericht die Dokumentation dessen, was zwischen Obermauer- und Gutenbergstraße freigelegt wurde. Die ältesten Befunde dort sind übrigens Grubenhäuser aus dem 6. und 7. Jahrhundert.

Oft genug wissen die Archäologen, die ja nicht von sich aus graben, sondern nur, wenn ein Baugrund sondiert werden muss, schon vorher, was sie so ungefähr erwartet, weil sie aufgrund historischer Karten etc. bestimmte Dinge im Untergrund vermuten. Dass sie bei Routinearbeiten auf der Gravelottestraße in Friemersheim aber auf römische Gräber stießen, war dann doch mal eine Überraschung.

Neben der Dokumentation der Jahresaktivitäten und Einzelberichten zu Funden in Meiderich, im Bereich der alten Universität usw. gibt es einen archäologischen Ortskatalog zum Stadtbezirk 1 Duisburg-Walsum. Die weiteren Bezirke werden Jahr für Jahr folgen, wie die gesamten Jahresberichte natürlich auch.

Das Kind muss einen Namen haben, und mit dem beschäftigt sich der erste Beitrag des ersten Bandes. "Dispargum" ist bei Gregor von Tours im 6. Jahrhundert erstmals erwähnt als Sitz des fränkischen Königs Chlodio. Auch die Heidelberger Autoren Heike Hawicks und Ingo Runde können nicht restlos klären, ob damit unser Duisburg gemeint ist, aber, so erklärt Platz: "Wir liegen in jedem Fall richtig." Ab dem 10. Jahrhundert nämlich haben Schreiber von Kaiser Otto I. die Gleichsetzung Dispargum-Duisburg vorgenommen.

Weitere frühmittelalterliche Chroniken erwähnen übrigens, dass die Franken von den Trojanern abstammen. Mit Troja, quasi ja auch die Geburtsstädte der Archäologie, schließt sich für heute der Kreis, denn man muss nicht wirklich tief graben, um festzustellen, dass auch zahlreiche Vorfahren der heutigen Duisburger mehr oder weniger nahe dem Hisarlik Tepe, dem trojanischen Palasthügel in der türkischen Provinz Çanakkale, geboren worden sind.

"Dispargum. Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie, Band 1 - 2016", 294 Seiten, erschienen im Verlag Dr. Faustus, ist für 35 Euro im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

(Niederrhein Verlag GmbH)