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Weiter ohne Werner

Weiter ohne Werner
Verdienter Filmarbeiter des Volkes: Werner Ruzicka zwischen Thomas Krützberg und Sören Link. Mal sehen, wen die Stadtoberen als Nachfolger präsentieren – und vor allem: wann. FOTO: Simon Bierwald/Indeed Photography
Duisburg. Eigentlich wie immer und also sehr gut war die 42. Duisburger Filmwoche. Doch fürs vielgelobte Team herrscht nach dem seit langem angekündigten Abgang Werner Ruzickas Ungewissheit. Von Thomas Warnecke

Noch einmal wurde sicht- und spürbar, was Werner Ruzickas Festivalleitung über 34 Jahre auszeichnete. Seine geschmeidige, alle einschließende Rhetorik, mittlerweile in den Diskussionen mit Schnupftabak statt Zigarettenrauch unterfüttert. Und das Beharren auf den entscheidenden Fragen: Wie stellt sich Wirklichkeit dar? Was ist ein guter Dokumentarfilm? Und, der marxistisch und auch sonst theoretisch souveräne Ruzicka ist seit seinen Bochumer Anfängen ein Mann der Volkshochschule und also der Praxis: Wie erhalten wir Öffentlichkeit?

Vielleicht lag's am Abschied Ruzickas, dass den von den Jurys ausgewählten Preisträgern teils was Retrospektives anhaftete. Die Verleihung des 3sat-Dokumentarfilmpreises an den Eröffnungsfilm "Kulenkampffs Schuhe" sei auch "ein unbedingtes Plädoyer für die Öffnung der öffentlich-rechtlichen Archive", so die Jury. Der Produzent hatte in der Diskussion des Films berichtet, dass die Rechte am Material mit Peter Alexander und Caterina Valente – weniger als fünf Minuten des Films – ein Drittel des Budgets gekostet haben und außerdem nach sieben Jahren ablaufen; dann muss erneut gezahlt werden oder der Film kann nicht mehr gezeigt werden.

Trotzdem wäre "Waldheims Walzer" möglicherweise die klügere Wahl für den Preis gewesen: Ebenso virtuos und unterhaltsam im Umgang mit Archivmaterial, weniger schwammig in der Benennung von Traumata und mit Waldheims Anti-Israel-Politik in der UNO ein Beitrag, der aktuell noch bzw. wieder kritisches Potenzial besitzt.

Der Arte-Dokumentarfilmpreis ging an "Barstow, California" von Rainer Komers – einen der "Hausautoren" der Filmwoche. Einen weiteren, den Ruzicka direkt nach der Wende nach Duisburg holte, zeichnete die Publikumsjury der Rheinischen Post aus: Volker Koepp für "Seestück". Leichte Verlegenheit, als mit Andreas Goldstein für "Der Funktionär" ein nur schwerlich unter Nachwuchs zu subsumierender Autor den Förderpreis der Stadt Duisburg erhielt. Der "Carte Blanche"-Nachwuchspreis des Landes NRW ging an "Aggregat" von Marie Wilke. Einen entschiedenen Blick nach vorn gab's danach: Dana Linkiewicz mit ihrem Projekt "Die große Stille" bekam ein Arbeitsstipendium für den künstlerischen Dokumentarfilm für Kinder oder Jugendliche, das in Kooperation mit dem Filmbüro NW und doxs!/Duisburger Filmwoche organisiert wird und erstmals vergeben wurde.

Das meiste also wie immer – wie immer sehr gut, die Duisburger Filmwoche. Jetzt muss nur ein*e neue*r Leiter*in her. Qualifizierte Kandidat*innen sind vorhanden, die Stadt Duisburg muss nur noch das "Go fürs Weiter so" geben. Sie sollte sich nicht zu viel Zeit lassen. Nicht nur, weil das Auswahljahr für die Filme der nächsten Filmwoche bereits begonnen hat. Keine andere Duisburger Kultureinrichtung hat eine solche überregionale Bedeutung.

(Niederrhein Verlag GmbH)