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Was von Kohle übrigbleibt

Was von Kohle übrigbleibt
Timm Ulrichs' „Kohlezeichnung“ in der Küppersmühle. FOTO: Ferdinand Ullrich/VG Bild-Kunst
Duisburg. Am Sonntag geht in der Küppersmühle die letzte der insgesamt 17 "Kunst & Kohle"-Ausstellungen zu Ende – mit Kohleverfeuerung. Übrig bleiben dann: Asche und ein Kawenzmann von einem Katalogschuber. Von Thomas Warnecke

Arte povera, arme Kunst heißt die Richtung, als deren Mitbegründer Jannis Kounellis gilt. Dem im Februar 2017 verstorbenen Künstler ist die Schau im Museum Küppersmühle gewidmet, die am Sonntag, 28. Oktober, als letzte der 17 Ruhr-Kunst-Museen-Ausstellungen zum Ende der Steinkohleförderung zu Ende geht (wegen der Erweiterungsbauarbeiten war sie später als die anderen eröffnet worden).

Arme Kunst, das passt erstmal nicht zur Küppersmühle; was das milliardenschwere Sammlerehepaar Ströher hier zeigen lässt, ist in der Regel sündteuer. Arm bezieht sich auf die Materialien, aus denen Kounellis und andere ihre Werke geschaffen haben: Erde, Glassplitter, Bindfäden, Holz – und eben Kohle. Der Künstler bezeichnet sich in einem Zitat, das im Ausstellungskatalog zu lesen ist, als "Sohn der Bauernkultur", Kohle als Naturprodukt interessiert ihn als Teil eines Kreislaufs, so wie ihn an Eisen und Stahl vorzugsweise der Rost zu interessieren scheint.

Timm Ulrichs, "Kohle-Ofen, brennbar" FOTO: Ferdinand Ullrich/VG Bild-Kunst

Sechs weitere Künstler sind Teil der "Hommage an Jannis Kounellis", darunter Bernar Venet, der Schöpfer des "Wahlgerippes" vorm Stadttheater, und Timm Ullrichs. Der Konzeptkünstler, der sich 1981 auf sein rechtes Augenlid "The End" tätowieren ließ, hat mit einem Sack auf dem Rücken eine Kohlespur an der Museumswand hinterlassen – die flüchtige Kohlezeichnung als Antwort auf die Ewigkeitslasten ... Zur Abschlussveranstaltung um 11 Uhr wird er seinen "Kohle-Ofen, brennbar" in Flammen aufgehen lassen. Was das und die ganze Kunst gebracht haben und wie es weitergeht, diskutieren Ulrichs, Museumsdirektor Walter Smerling und weitere Kunst-, Kultur- und Tourismus-Menschen in einer anschließenden Podiumsdiskussion.

Timm Ulrichs, "Kohle-Ofen, brennbar" FOTO: Ferdinand Ullrich/VG Bild-Kunst

In der einen oder anderen Form sind solche Fragen, was die Kohle der Kunst gebracht hat und was die Kunst dem Revier bringen kann, auch Themen der 17 Kataloge zur Ausstellungsreihe. In limitierter Auflage gibt es sie zusammen im Schuber, mit Schwarzschnitt und schwer nicht wie Kohle, sondern eher wie Blei.

Poesie entstehe aus Mangel, zitieren darin die Kuratoren Smerling und Ferdinand Ullrich Jannis Kounellis: "Daraus kann etwas Wunderbares entstehen." Eine zweifelhafte Hoffnung fürs Revier, ebenso wie die, dass Kunst und Kultur an die Stelle der Kohle treten könnten. Smerling und Ullrich jedenfalls fordern, einen "stets neu zu formulierenden" Energieträger zu fördern: "den Rohstoff Geist".

(Niederrhein Verlag GmbH)