| 15.52 Uhr

41. Duisburger Filmwoche
Unsere Augen haben die Wahl

41. Duisburger Filmwoche: Unsere Augen haben die Wahl
„Tiere und andere Menschen“ von Flavio Marchetti zeigt das Wiener Tierschutzhaus. Die Arbeiterinnen dort sind hin- und hergerissen zwischen Nacken kraulen und Hals fixieren ... FOTO: La Banda
Duisburg. Am Montag, 6. November, beginnt im Filmforum am Dellplatz die 41. Duisburger Filmwoche. Bis zum 12. November werden 26 Dokumentarfilme gezeigt und zur Diskussion gestellt. Von Thomas Warnecke

"Als wir uns im letzten Jahr ein Motto für dieses Jahr überlegten, war gerade Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt worden", erinnert sich filmwoche-Leiter Werner Ruzicka, "und uns war klar, dass sich in 2017 einiges ändern könnte mit den Wahlen in NRW, im Bund oder zuletzt in Österreich." Heraus kam "Mittel der Wahl" als Anspielung auf das Wahljahr wie auf die verschiedenen Mittel des Dokumentarfilms, die Wirklichkeit in den Blick zu nehmen.

26 Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt das Programm, darunter sieben Uraufführungen sowie sieben Deutsche Erstaufführungen. Es werden bewegliche Konzepte von Arbeitsverhältnissen, Behausung und Heimat sowie familiären Konstellationen gezeigt, auf ganz verschiedene Weisen ins Bild gesetzt.

Zum Beispiel in "Anton und ich" am Dienstag um 12 Uhr. Hans-Dieter Grabe zeigt einen Bauern, der in letzter Generation seinen Hof bewirtschaftet. "Er müht sich ab vor unseren Augen", beschreibt Ruzicka, "und man merkt das: Diese Art von Bäuerlichkeit, diese Art von Behausung bricht weg. Du kannst es sehen, den Verlust spürst du." Fragen wie "Was ist Natur? Was sind Lebensmittel?" würden aufgeworfen, deutlich werde der Riss zwischen dem Sentiment, dem Gefühl von Heimat und eigenem Grund und Boden, und dem Anspruch, auch als Landwirt ein Experte zu sein, um noch Schritt halten zu können. "Wenn ein Film das in der Zeit ausbreitet, dann ist das eine Art Befreiung", so Ruzicka. Die gleiche Erfahrung zum gleichen Thema, nur anders umgesetzt, biete auch "Aus einem Jahr der Nichtereignisse" von Ann Carolin Renninger und René Froelke, ebenfalls am Dienstag um 20 Uhr.

Filme wie "Final Stage" über eine shopping Mall oder "Spineless Kingdom" über einen Engländer, der einzelgängerische Bienen katalogisiert, könnten für Diskussionsstoff sorgen, erwartet Ruzicka, weil: "Zu schräg." Aber wo gebe es das noch, diese offene Diskussion? Kein "Blind Date", sondern eine Begegnung mit offenen Augen nämlich sollen die Diskussionen sein, zu denen sich Filmemacher und Publikum nach jeder Vorstellung im Grammatikoff-Saal einfinden. Auch "Drift" sei so ein Film, über den es was zu reden gebe. "Mittendrin waren wir sauer", berichtet Ruzicka aus der Sichtungskommission, "doch dann entstand so eine Art Trance." Man muss nur die Mittel der Wahl einwerfen ...

(Niederrhein Verlag GmbH)