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Misstöne zur Weihnachtsmarkteröffnung
Scharfe Kritik an den Ersatz-Pollern

Misstöne zur Weihnachtsmarkteröffnung: Scharfe Kritik an den Ersatz-Pollern
„Sieht nach Spielzeug aus, ist aber wahrscheinlich Gussstahl“, schreibt der Kollege vor Ort. FOTO: vowie
Duisburg. Der Duisburger Weihnachtsmarkt ist eröffnet, die geplanten Sicherheitspoller aber sind noch nicht da. Die CDU spricht von Schildbürgerstreich, die Linke hält die Ersatz-Poller für diskriminierend. Von Thomas Warnecke

"Wenn Weihnachten längst vorbei ist, werden diese Poller wohl eingebaut", vermutet CDU-Ratsfraktionschef Rainer Enzweiler und meint die 160 Sicherheitspoller aus Stahl, die fest eingebaut Kunden und Händler vor Anschlägen schützen sollten, aber weiter auf sich warten lassen. Bereits Anfang September wollte die Stadt mit dem Einbau beginnen, doch stattdessen wird weiterhin begutachtet und untersucht, ob keine Leitungen beschädigt werden. Jetzt stehen Ersatzpoller an den Zugängen zur Fußgängerzone.

"So, wie die Poller stehen, diskriminieren sie einen erheblichen Teil der Duisburger Bevölkerung", erklärt Helga Hermes, inklusionspolitische Sprecherin der Duisburger Linken: "Aufgebrachte Betroffene haben uns angesprochen, dass sie durch die Anti-Terror-Poller erhebliche Schwierigkeiten haben, in die Duisburger Innenstadt zu gelangen." Ganz ähnlich berichtet Rainer Enzweiler: "Vor allem zwei Gruppen von Bürgern mussten bisher dank dieser sehr speziellen Poller, beispielsweise am Landgericht, 'draußen' bleiben: Eltern mit ihren Kinderwagen, aber auch behinderte Mitmenschen mit ihren Rollstühlen kommen durch diese massiven Sperren einfach nicht durch ... Wir fragen uns: Sollen Eltern und behinderte oder ältere Mitmenschen jetzt etwa ihren Kinderwagen, ihre Rollstühle und Rollatoren über die Sperren hinweg heben, um den Weihnachtsmarkt zu besuchen, oder hat man bestimmte Bürger hier einfach vergessen?""

Linken-Kreischef Lukas Hirtz spricht von Symbolpolitik: "Die Panik-Poller schützen nicht wirklich, im Gegenteil gefährden sie die Weihnachtsmarktbesucher." Für Rainer Enzweiler sind die provisorischen Poller "ein echter Schildbürgerstreich der Verwaltung! Da wurde mal wieder nichts zu Ende gedacht!"

Der Redaktionskollege vor Ort hat das bei der Weihnachtsmarkt-Eröffnung nicht bestätigen können. "Hier an der Claubergstraße kommt ein Rollstuhlfahrer durch", schildert er seinen Eindruck. Es gebe die eine oder andere Stelle, da könnten die Poller Schwierigkeiten bereiten, aber ein Rollstuhl, selbst ein Zwillingskinderwagen würde überall durchpassen.

(Niederrhein Verlag GmbH)