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Loveparade-Strafprozess
Nur noch gegen Drei

Loveparade-Strafprozess: Nur noch gegen Drei
Gegen drei Angeklagte geht’s weiter im Verhandlungssaal. FOTO: Jörg Eicker
Duisburg/Düsseldorf. Für sieben der Angeklagten, darunter die sechs städtischen Mitarbeiter, ist der Loveparade-Prozess zu Ende. Sie haben dem Vorschlag des Gerichts und der Staatsanwaltschaft zur Einstellung des Strafverfahrens zugestimmt. Drei weitere Angeklagte – Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – taten das nicht. Gegen sie läuft der Prozess weiter. Es ist aber höchst fraglich, ob es in der verbleibenden Zeit bis zur Verjährung zu einem Urteil kommt. Von Thomas Warnecke

Nach 14 Monaten Hauptverhandlung und 101 Verhandlungstagen ist der Loveparade-Prozess für die sechs städtischen Mitarbeiter und den Lopavent-Kreativdirektor ohne Auflage beendet. Die Verfahrenseinstellung bedeutet: kein Urteil, ob schuldig oder nicht – für diese sieben Angeklagten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Gericht und Staatsanwaltschaft stimmten darin überein, dass das Verschulden dieser sieben Angeklagten allenfalls als gering anzunehmen sei. Der Kreativdirektor der Lopavent habe nur wenig mit Sicherheitsfragen zu tun gehabt; die sechs Mitarbeiter der Stadt hätten über keine Erfahrung mit einer solchen Großveranstaltung verfügt und außerdem lange Zeit wegen Sicherheitsbedenken Widerstand gegen die Veranstaltung geleistet.

"Wir haben uns die Entscheidung angesichts der schweren Folgen – 21 Tote, mehr als 650 Verletzte – und dem andauernden Leid der Angehörigen und Verletzten nicht leicht gemacht, erachten eine Einstellung im Ergebnis aber für vertretbar", hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Richter Mario Plein betonte erneut, der Prozess habe viele Erkenntnisse gebracht, zusammengefasst vor allem die: Viele Leute haben viele Fehler gemacht.

Gegen die drei weiteren Angeklagten – den Produktionsleiter, den technischen Leiter und den Leiter Sicherheit der Lopavent GmbH – sollte das Verfahren nach Meinung des Landgerichts gegen Geldauflage folgen; ihre Mitschuld sei als mittelschwer anzunehmen. Die Staatsanwalt stimmte zu und bezifferte die Geldauflage bei jeweils 10.000 Euro, die an eine gemeinnützige Einrichtung gezahlt werden sollten. Doch die drei Angeklagten der Lopavent stimmten dagegen. Gegen sie wird der Prozess fortgeführt; nächster Verhandlungstag ist am 12. Februar.

Der Prozess wird weiter im CCD Ost der Messe Düsseldorf stattfinden; allein schon wegen der 100 Plätze für die Nebenkläger(vertreter) und 85 Presseplätzen – die wiederum 86 Plätze für die Öffentlichkeit erfordern. auch das Beweisprogramm bis Ende April steht; es sollen weitere Polizisten und Mitarbeiter des Veranstalters vernommen werden. Zusammen mit Gutachter Gerlach wird Richter Mario Plein darüber hinaus überlegen müssen, wie das weitere Verfahren auf die drei verbliebenen Angeklagten "festgezurrt" werden kann – theoretisch gäbe es noch 575 Zeugen, die zu vernehmen wären; bis jetzt hat das Gericht gerade acht Sachverständige und 58 Zeugen geschafft. Am 28. Juli 2020 tritt die Verjährung ein. Möglich, dass die drei verbliebenen Angeklagten genau darauf spekulieren – oder auf eine Verfahrenseinstellung mit geringerer Geldauflage.

(Niederrhein Verlag GmbH)