| 16.21 Uhr

China-Ausstellung
Mächtig Tusche aufm Pinsel

China-Ausstellung: Mächtig Tusche aufm Pinsel
Der Stand des Konzeptkünstlers Frog King erinnert an die Ladenzeilen seiner Heimatstadt Hong Kong. FOTO: tw
Hochfeld. Eine ziemlich beeindruckende Schau hat der Kulturaustauschverein DCKD im Rheinpark Hochfeld auf die Beine gestellt. Auf 4.000 Quadratmetern Zeltfläche präsentieren sich Künstler der "neuen Seidenstraße" – und ganz viel China zwischen Tradition und Moderne. Von Thomas Warnecke

Am Freitag vor der Ausstellungseröffnung kann Jian Guo nicht mehr weitersprechen, die Pressekonferenz muss unterbrochen werden, so heftig prasselt der Regen aufs Zeltdach. So viel hat der 1. Vorsitzende des Vereins DCKD aber noch sagen können: "Viel Regen bedeutet in China viel Erfolg!"

Und China prasselt mächtig herein in der Schau auf dem Rheinparkgelände. Herzstück der Ausstellung ist der Kunstaustausch entlang der Neuen Seidenstraße mit dem Zug der Blauen Container, der sich nach Abbau der Schau von Duisburg aus auf den Weg machen wird. Doch was die international versammelten Künstler hier zeigen, ist, nunja, so ein internationaler Standard zeitgenössischer Kunst eben. Installationen, Collagen, Objekte, und jeder darf sich was dabei denken ... Klar, Filmemacher Wang Bing war auf der letzten Documenta, aber Videoprojektionen in Ausstellungen sind immer so 'ne Sache: Mehr als ein paar verstörende Bilder bleiben beim Rundgang nicht hängen.

Traditionell, zum Teil folkloristisch, aber auf jeden Fall fürs Auge interessanter ist der überwältigende Raum mit aktueller Tuschemalerei von der Pekinger Kunstakademie. Staatskunst vielleicht, irgendwie offiziell, aber gerade zu sehen, wie Moderne, Westliches und womöglich Kritisches in eine althergebrachte Kunstform Einzug hält (oder auch nicht), und dazu das enorme handwerkliche Können, das macht die Sache spannender. Dasselbe gilt für die Druckgrafik-Abteilung – die Darstellung von Fabriken und Maschinen hat in China mittlerweile ein eigenes Genre Industriedruckgrafik herausgebildet – ein Brückenschlag, der hoffentlich hiesige Grafiker und Comiczeichner inspiriert!

Wenn auch nur Repliken, so sind die Wandbilder aus den Weltkulturerbe-Höhlen von Dunhuang doch so aufwendig nachgemacht, dass man das Material zu sehen meint; eine Höhle ist als Zelt nachgebaut, damit man auch die Original-Raumempfindung bekommt.

Es lohnt sich also ziemlich, die Schau (noch bis 10. Juni) zu besuchen. Sie ist ja erst der Anfang ...

(Niederrhein Verlag GmbH)