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Duisburger Eltern: "Reines Ablenkungsmanöver"
G8? G9? – Sorgt erstmal für die Grundlagen!

Duisburg. Nächstes Jahr sind Wahlen in NRW, da kommt auch das "Turbo-Abi" wieder auf den Prüfstand. Für die Elternschaft Duisburger Schulen (EDuS) ist das eine Scheindiskussion, die von den wahren Problemen ablenkt. Von Thomas Warnecke

Der viele Nachmittagsunterricht, die Frage der Mittagsverpflegung, zu viel Stoff, zu viele Hausaufgaben – seit der Einführung der Schulzeitverkürzung auf zwölf Jahre bis zum Abitur reißen die Klagen nicht ab. Kinder haben weniger Freizeit als früher, das Wissen verfestigt sich nicht mehr. Vielen Kindern, insbesondere den Jungs, fällt es außerdem schwer, sich so früh schon für einen Studien- bzw. Berufsweg zu entscheiden.

Auf Landesebene hat Schulministerin Sylvia Löhrmann die Entscheidung über G8 nach dem ergebnislos gebliebenen zweiten Runden Tisch zum Thema aufs Wahljahr 2017 vertagt. Fällt das Elternurteil über G8 sehr gemischt aus, wollen die Duisburger Schuldirektoren die verkürzte Schulzeit beibehalten. Ausschlaggebend dafür ist wohl das einmal eingeführte System und die Sorge um fehlende Ressourcen.

Genau die stellen, vereinfacht gesagt, das eigentliche Problem dar. Die Elternschaft Duisburger Schulen (EDuS) wollte die Meinung der Duisburger Eltern einholen, hat auf Mitgliederversammlungen diskutiert, eine Internet-Umfrage erstellt und viele, viele Gespräche geführt. Ergebnis: Es fällt schwer, ein einheitliches Bild der Elternmeinung zu G8 zu zeichnen. Doch dafür liefen nahezu alle Gespräche und Diskussionen am Ende auf einige wenige, grundsätzliche Punkte hinaus: fehlendes Lehrpersonal, mangelhafte Ausstattung, kein ausreichendes Gesamtkonzept für Vor- und Nachmittag, fehlende Mittagsbetreuung, unzureichende Kopplung von Betreuungsangebot und Schule, marode Toiletten, keine Ressourcen für Integration oder Inklusion, keine funktionierenden Turnhallen, keine ausreichenden Schwimmmöglichkeiten.

"Solange nicht die nötigen Mittel für die Bildung unserer Kinder bereitgestellt werden, ist jegliche Diskussion zu G8 oder G9 eine Scheindiskussion, die von den wahren Problemen ablenkt", heißt es in einer Mitteilung von EDuS. "Zuerst müssen die nötigen Voraussetzungen für eine gute Bildung unserer Kinder wieder hergestellt werden, bevor mit möglichen neuen Strukturen Wahlkampf gemacht wird."

(Niederrhein Verlag GmbH)