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Einfach bestens auf Draht

Einfach bestens auf Draht
Henning Fliess, Alexander H. Fliess, Ralf Meurer, Oberbürgermeister Sören Link, Dr. Albrecht Borner und Andree Haack (v.l.n.r.) stellten sich den Fotografen im Rohdrahtlager. FOTO: vowie
Neuenkamp. „Das ist doch nur ein bisschen Draht“ – könnte man sagen. Doch der Teufel steckt wie so oft im Detail. Von Volker Wieczorek

Und von diesem Detail versteht die Belegschaft an der Essenberger Straße 85-93 richtig was. Seit 103 Jahren kümmert sich die Hermann Fliess & Co. GmbH ums Schweißen. Konkret geht es dabei nicht um den eigentlichen Prozess selbst, sondern um ein Zubehör, dessen Qualität für eine perfekte Schweißnaht unverzichtbar ist: Der Schweißdraht.

Waren die Kunden früher fast nur in Deutschland anzutreffen, geht heute nur noch etwa ein Drittel der Produktion in die Bundesrepublik. Ein weiteres Drittel findet im europäischen Ausland und noch ein Drittel weltweit Verwendung.

So sind denn auch die Anforderungen an eine ungestörte Logistik hoch, wie Oberbürgermeister Sören Link, Duisburgs Wirtschaftsdezernent Andree Haack und Ralf Meuerer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung in Duisburg beim Dialog in der Firmenzentrale in Neuenkamp erfahren konnten.

Dabei sei der Standort Duisburg für eine Firma wie Fliess generell ausgezeichnet, betonte der Technische Leiter der Firma Dr. Albrecht Borner: „Wir haben eine hervorragende Anbindung mit Straßen, Schienen und Wasser, aber manches wie zum Beispiel die Brückensituation muss verbessert werden.“

Konkret gingen die Stadtvertreter mit drei Forderungen in ihre Ämter zurück: Verkehrssituation im Gewerbegebiet verbessern, Breitbandkabel-Anschluss ermöglichen und Hilfen bei der Personalfindung geben. So könnte man durchaus mehr Schichten fahren, wenn denn mehr Personal verfügbar wäre, erläuterte Alexander H. Fliess und fügte an: „Die Auftragsbücher sind voller denn je. Die richtigen Leute zu finden, wird mehr denn je ‚spielentscheidend‘ für die Zukunft eines jeden Betriebs.“ Dabei sind die gegenwärtig rund 75 Mitarbeiter zum großen Teil angelernt, denn die Qualifikationen die bei der Schweissdrahtproduktion benötigt werden, sind in keinem Ausbildungsberuf wirklich vorhanden. Dies habe aber auch den Vorteil, dass nicht nur Maschinen- und Anlagenführer, sondern auch Dachdecker, Klempner oder KFZ-Mechaniker ein sichere Zukunft bei Fliess haben können. „Wir bieten sehr gute Rahmenbedingungen. Beispielsweise eine Bezahlung, die sich an die Metallbranche anlehnt,“ erläutert Dr. Albrecht Borner. Dabei geht es in der Produktion um verlässliche Qualität, die die Firma offensichtlich so gut liefern kann, dass manche chinesische Firma ihren Schweissdraht im fernen Neuenkamp ordert, obwohl ein ähnliches Angebot zum halben Preis in China verfügbar wäre.

Und nicht nur in China weiß die Welt offensichtlich zu schätzen, was in Neuenkamp produziert wird, denn Schweißnähte mit Drähten aus Duisburg finden sich zum Beispiel in der Nord-Stream-Pipline, den großen Portalkränen der Firma Liebherr oder auch Dachkonstruktionen für Stadiondächern.

(Niederrhein Verlag GmbH)