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Ein Schichtmeisterwerk

Ein Schichtmeisterwerk
„Glück auf“ heißt Claudia Terstappens Kunstwerk aus Barbara-Figuren und Grubenhelmen. FOTO: tw
Duisburg. 16 der 17 "Kunst und Kohle"-Ausstellungen im Ruhrgebiet sind vergangene Woche eröffnet worden, zwei davon in Duisburg. Herausragend: das Museum DKM in der Güntherstraße nahe dem Hauptbahnhof mit "Die schwarze Seite". Von Thomas Warnecke

Wenn auch nur kurz, aber: "Duisburg war mal die reichste Stadt Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg", erinnert Museumsstifter Klaus Maas. Das lag auch an der Kohle, die ja bis heute Europas größte Stahlküche hier befeuert. Maas ist dem Bergbau eng verbunden, nach wie vor ist sein Bauunternehmen auch unter Tage tätig. Er würde sich mehr Aufmerksamkeit für die mutigen Pioniere, die Haniels, Stinnes, Grillos wünschen, "ohne die wäre hier immer noch Landwirtschaft". Und er hat, gerade bei der Vorbereitung der "Kunst und Kohle"-Ausstellung, viele ehemalige Bergleute getroffen, die jetzt gar nicht mehr wissen wohin – mit sich, aber vor allem auch mit den vielen Erinnerungsstücken, die sich angesammelt haben und für die es scheint's keinen Ort gibt.

Ihr Denkmal steht im zweiten Raum der Ausstellung im Museum DKM: Claudia Terstappen hat einen Altar aus Statuen der heiligen Barbara errichtet, beleuchtet von zig herabhängenden Grubenhelmen.

Ein weiteres Denkmal, noch aus Holz, Papier und Wachs, aber hoffentlich bald auch in Bronze, hat Thomas Virnich dem letzten Grubenpferd gesetzt: "Tobias, Freiheit spürend".

Diese und die meisten anderen ausgestellten Werke entstanden aus Aufträgen, die Klaus Maas und sein Kompagnon Dirk Krämer (Dirk Krämer Klaus Maas = DKM) an langjährig verbundene Künstler erteilt haben. Der in Ruhrort lebenden Dichterin Barbara Köhler etwa haben sie ein Bergbauwörterbuch in die Hand gedrückt. Sie hat Begriffe von Altmänner bis Wasserhaltung mit Antikem in zeichenzahlgenaue Verse gepresst und als gelernte Gestalterin ein Flöz daraus gemacht, das sich über drei Wände zieht, schwarz auf schwarz, die Augen müssen die Buchstaben wie Kohle heraushauen. Schwarz auf Schwarz hat auch Sven Drühl gemalt, fingerdick, sechs Kilo Ölfarbe ...

Die Augenschule zur Kohlekultur beginnt mit Götz Diergartens Fotos, die fast wie Abdrücke wirken und Details von Häusern in Duisburger Bergmannssiedlungen zeigen. Wenn man genau hinschaut, sieht man sogar, wo einfache Hauer, wo Steiger, wo Schichtmeister gewohnt haben.

Vom Geologischen Museum Kamp-Lintfort kommt ein Flözprofil aus der Zeche Hermann-Gustav, 300 Millionen Jahre alt, aus den sogenannten Bochumer Schichten. Es gehört zum zweiten Teil der Ausstellung, die sich nach den Erinnerungen und Abdrücken der Bergbaukultur dem Material selbst zuwendet, wie die drei Kreise aus Lärchenholz, Anthrazit- und Holzkohle des Land-Art-Künstlers Richard Long. "Das war 'ne Viecherei mit der Holzkohle", erinnert sich Dirk Krämer, der die drei Kreise entsprechend den Vorgaben des Künstlers ausgelegt hat.

So versammelt diese Ausstellung Raum für Raum Kunstwerke, die wie Kohle entstanden zu sein scheinen: versteinerte Natur, freigelegte Seelenschichten.

"Die schwarze Seite", Museum DKM, Güntherstraße 13-15, Duisburg, Samstag und Sonntag sowie jeden ersten Freitag im Monat 12 bis 18 Uhr.

(Niederrhein Verlag GmbH)