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Duisburg kauft das Rattenhaus

Duisburg kauft das Rattenhaus
Kaiser-Wilhelm-Straße 253, Duisburg-Marxloh. Das „Rattenhaus“ geht jetzt in den Besitz der Gebag. FOTO: Expofair/Nicole Gerber
Duisburg. Die Stadt Duisburg rechnet mit Fördergeldern von 7,5 Millionen Euro, um in den nächsten fünf Jahren "Problemimmobilien" in Hochfeld, Marxloh, Bruckhausen und Beeck aufkaufen zu können. Die Gebag hat jetzt erstmals zugeschlagen. Von Thomas Warnecke

"Wir haben als repressives Modell die 'Task Force Problemimmobilien'; mit den Fördermitteln des Landes bekommen wir ein weiteres Instrument, um den kriminellen Strukturen hinter der Vermietung von Schrottimmobilien das Wasser abzugraben", sagt Oberbürgermeister Sören Link. Konkret nennt der OB 17.000 Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, "insbesondere Sinti und Roma", die derzeit in Duisburg lebten; die kriminellen Strukturen bestehen, wie Stadtsprecherin Susanne Stölting bereits früher gegenüber Stadt-Panorama erklärt hatte, in einem "perfiden System" von Anwerben und Sozialleistungen abgreifen – und der Unterbringung zu Wuchermieten in eigentlich nicht mehr bewohnbaren Häusern.

Neben der Räumung gibt es mit den zugesagten Fördermitteln – 7,5 Millionen Euro, die die Stadt bereits im Januar beim Land beantragt hat – ein Mittel, der "Matratzenvermietung" vorzugreifen. Fünf Jahre dauert das Förderprogramm, begrenzt auf Bereiche in Hochfeld, Marxloh, Beeck und Bruckhausen, und "individuell auf einzelne Grundstücke beziehungsweise Gebäude zugeschnitten", so Link, "damit wir keinen Leerstand haben." Oder jedenfalls weniger.

Problemimmobilien seien ja "negativ behaftet, das strahlt ins Umfeld aus", sagt Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum, Weshalb mit dem Ankauf eine Möglichkeit besteht, "Impulse für das Umfeld zu ziehen", so Bernd Wortmeyer, dessen städtische Gebag die Immobilien kauft – und dann abreißt oder saniert.

"Bei einem Haus, das über sieben Jahre mit 500 Ratten leer steht, wird es wohl nicht mehr viel zu sanieren geben", sagt Wortmeyer mit Blick auf das "Rattenhaus" an der Kaiser-Wilhelm-Straße in Marxloh, das jetzt als erste Immobilie im Vorgriff auf die Fördergelder erworben wurde. Mehr als eine halbe Million hätten seinerzeit Investoren aus Süddeutschland dafür in die Hand genommen; der aktuelle Verkehrswert betrage weniger als ein Zehntel, und für den sei das Haus auch gekauft worden. "Der Verkehrswert ist die Grundlage", so Wortmeyer, das muss dem oder den Eigentümern vermittelt werden – so denn welche zu finden sind.

"Enteignung ist immer das letzte Mittel und ein Weg, der sehr lange dauert", erklärt Sören Link, warum der Ankauf das Mittel der Wahl ist: "Hier kommen wir viel schneller dran." Und zwar an Häuser, deren Abriss oder Sanierung "in den Quartieren für eine Perspektive sorgen" würde, so Carsten Tum, dessen Dezernat die Umsetzung des Förderprogramms zwischen Land, Gebag und weiteren Akteuren wie der EG DU koordiniert. Sollten Ankauf, Abriss, Sanierung bzw. Neubebauung auch wirtschaftlich erfolgreich sein, wird die Gebag das Geld in den Fördertopf zurückzahlen.

Die Liste fürs Ankaufprogramm ist eine andere als die "Räumungsliste" der Task Force, denn hier geht es darum, durch den Ankauf präventiv dafür zu sorgen, dass die Häuser gar nicht erst von "Bettenlager-Vermietern" erworben werden, so Carsten Tum.

Aktuell ist Wortmeyer an vier Immobilien dran und in Gesprächen zur Kaufpreisfindung, denn in der Regel – siehe Rattenhaus – ist der in einem unabhängigen Gutachten ermittelte Verkehrswert weit unterhalb vom einstigen Kaufpreis. Trotzdem glaubt der Gebag-Geschäftsführer, Eigentümer vom Verkauf zum Mindestpreis überzeugen zu können: "Für die ist eine solche Schrottimmobilie ja letztlich ein Fass ohne Boden." Ein Schelm, wer jetzt sagt, dass deshalb also die Grundsteuer in Duisburg so hoch ist.

(Niederrhein Verlag GmbH)