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Die Netzwerkzebras vom Innenhafen

Die Netzwerkzebras vom Innenhafen
Jens Thiem und Volker Baumann (v.r.) mit dem ersten von allen aktuellen MSV-Spielern signierten Trikot der Saison – ein Geschenk vom Verein zum dritten Geburtstag des Fanclubs Innenhafen. FOTO: tw
Duisburg. Wenn am Freitagabend der MSV Duisburg zum Saisonauftakt einläuft, gibt es neben der frenetischen Begrüßung aus der Nordkurve wohl auch wieder einen dezenten Gruß aus der Südkurve: Dort ist der Stammplatz für die Fahne des Fanclubs Innenhafen. Ein bisschen anders eben. Von Thomas Warnecke

„Ich mach hier mal den Einweiser“, begrüßt am Eingang zum Explorado-Kindermuseum der Vorsitzende Jens Thiem die Mitglieder. Die treffen sich diesmal nämlich nicht wie sonst im Bolero, sondern nebenan: Der dritte Geburtstag des MSV-Fanclubs Innenhafen wird auf der Dachterrasse des Wehrhahn-Speichers gefeiert. „Ein schönes Datum“, sagt Thiem, denn zwei große MSV-Sponsoren – Volksbank und Schauinsland-Reisen – feiern an diesem Abend ebenfalls, in Sichtweite, aber: „Niedriger als wir.“ Kleiner Scherz. Aber die Aussicht ist wirklich grandios. „Dass die nicht merken, dass das hier alles eins ist“, seufzt da Hotti mit der 17 auf dem Trikot über immer noch nicht verwirklichte Metropole-Ruhr-Chancen. Ansonsten geht es auch sieben Stockwerke überm Innenhafen entspannt und bodenständig zu: Grillgut, Partyfässchen, Limo, alles gut und vor allem: gut organisiert.

Denn das ist das Markenzeichen des FC Innenhafen: Unter den Mitgliedern finden sich gestandene Unternehmer, Selbstständige, Kommunikations- und Werbeprofis – alles geübte Netzwerker. Jeder leistet hier seinen Beitrag, und damit ist nicht, jedenfalls nicht nur, der moderate Mitgliedsbeitrag gemeint. „Wir wollen was bewegen“, erklärt Volker Baumann, Kassierer des Fanclubs. Und dabei geht es nicht um die „Erste“, sondern um die Mannschaft hinter der Mannschaft, ob MSV-Jugend, Zebrakids oder soziale Projekte rund um den MSV. Zum ersten Mal konnte im vergangenen Winter ein MSV-Fan, der im Rollstuhl sitzt, das Trainingslager der Zebras in Belek besuchen. Organisiert hat das der FC Innenhafen, der in diesem Jahr draufsatteln will: Drei Rollstuhlfahrer und drei Sehbehinderte mit Betreuern sollen im kommenden Winter hautnah dabei sein.

„Wichtig ist uns, dass wir wissen, dass und wo unsere Hilfe ankommt“, erklärt Volker. Wenn etwa die jährliche Fixsumme fürs MSV-Leistungszentrum an den Verein geht, gibt es einen Austausch über die Verwendung. Überhaupt sind die Fans vom Innenhafen (die aber aus ganz Duisburg kommen) nah dran am Verein. Zum dritten Geburtstag ist der Fan-Beauftragte Christian Ellmann gekommen. Und Ehrenmitglied Michael Tönnies mit Freundin feiert auch mit. Ivo Grlic und Bernard Dietz sind ebenfalls Ehrenmitglieder im Fanclub Innenhafen.

67 Mitglieder stark ist er mittlerweile, nachdem zwölf Netzwerker den Verein genau an dem Tag gründeten, an dem der MSV nach dem Zwangsabstieg die Lizenz für die 3. Liga 2013/14 erhielt. Und selbstverständlich will der FC weiter wachsen. Aber: „Wer bei uns Mitglied werden will, muss zwei Bürgen haben, die bereits Mitglied bei uns sind“, erklärt Volker Baumann. Es geht darum, etwas einzubringen: Qualifikationen, die man aus dem Beruf mitbringt, Zeit, die für die vielen Aktivitäten des Fanclubs gebraucht wird.

Daran haben hier alle Spaß: „Das Innenhafenfest ist für mich und meine Partnerin immer wie ein Feiertag, das halten wir uns frei“, sagt Volker. Bei dem Großevent – da ist der Name Programm – ist der MSV-FC Innenhafen immer mit einem Stand vertreten und erzielt mit Aktionen vom Kinderschminken bis zur Tombola satte Gewinne, die der sozialen Arbeit rund um den MSV zugutekommen. So leben die Fans quasi weiter, was der Innenhafen mal war: Brotkorb fürs Zebrarevier.

Trotzdem geht’s natürlich um Fußball, da macht der FC Innenhafen keine Ausnahme. „Der Wunsch ist Platz eins“, lacht Volker auf die Frage nach der Saisonprognose. Und er sieht den MSV auch gut aufgestellt: „Platz eins bis fünf ist realistisch.“ Die Hoffnung ruht auf dem großen Stamm, in den auch die Langzeitverletzten zurückgekehrt sind. „Wir haben eine Basis von zehn bis 14 Spielern mit Zweitliganiveau“, findet Volker, „im Kern ist das eine eingespielte Mannschaft.“ Langfristig ist aber auch klar: „Wir als Fanclub Innenhafen wollen den MSV in der 1. Liga sehen.“

(Niederrhein Verlag GmbH)