| 17.22 Uhr

Der Schnaps im Schrank

Der Schnaps im Schrank
„Fat Convertible“, der aufgeblasene 911er. FOTO: tw
Duisburg. Sowas nennt mal wohl Kunstgroßereignis. Oder Großkunstereignis? Um Größe und Volumen jedenfalls geht’s in der Doppelschau „Erwin Wurm“. Von Thomas Warnecke

Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich das öffentliche Lehmbruck- und das private Museum Küppersmühle zusammentun. Doch Wurm braucht Platz. Namenswitze, das nur nebenbei, hat er alle durch, er kam als Erwin Wurm zur Welt und ging mit diesem Namen in die Schule.

Konsumkultur, Gier, Fettsucht, Österreich, das sind, grob zusammengefasst, seine Themen. Und: „Ich habe mit Malerei angefangen, dann aber beschlossen, alles, was ich mache, als Bildhauerei zu bezeichnen.“ Und macht die Küppersmühle gleich ganz zur Skulptur, jedenfalls inwendig: mit einem 90 Meter langen, leuchtend grünen Pullover, der sich über mehrere Wände durch fünf Ausstellungsräume zieht. Pullover sind besonders gut geeignet, um sichtbar zu machen, was Erwin Wurm interessiert bzw. was seine Erkenntnis ist: „Volumenveränderung ist Inhaltsveränderung.“

Ein Porsche 911 ist vielleicht auch so protzig, ohne dass man ihn wie Wurm zum „Fat Convertible“ aufbläst (vorne in der Glashalle des Lehmbruckmuseums), aber spätestens bei den Schränken hinten in den Dreiecksräumen wird’s klar. In jedem der umgebauten 70-er-Jahre-Möbel steckt in irgendeinem Fach eine Flasche Schnaps, der Besucher ist aufgefordert, mit den Volumenprozent eine Inhaltsveränderung an sich vorzunehmen. „Drinking Sculptures“ heißen die Arbeiten denn auch. Ganz wie zuhause.

(Niederrhein Verlag GmbH)