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Das älteste Stück Duisburg

Das älteste Stück Duisburg
Stadtarchäologe Thomas Platz zeigt das älteste Stück Stadtmauer, erkennbar an den schräg verlegten Ziegeln. FOTO: tw
Duisburg. Seit 2009 wird die Duisburger Stadtmauer instand gesetzt; bald sind die Denkmalschützer einmal rum. Jetzt wurde der Abschnitt an der Untermauerstraße fertiggestellt. Von Thomas Warnecke

Hier, mit der Pommesbude im Rücken, sind die einzigen Steine Duisburgs zu sehen, die länger als 1.000 Jahre aufeinanderliegen. Das Mauerstück ist damit das älteste Baudenkmal überhaupt auf dem Gebiet der historischen Stadt Duisburg, wie Iris Rapp von der Unteren Denkmalbehörde erklärt. Und die vielen erhaltenen Teile der ursprünglich 2,4 Kilometer langen Duisburger Stadtmauer machten sie zu einem Denkmal "von nationalem Rang".

"Aufgrund von Schriftquellen war man bisher davon ausgegangen, dass im 11. und 12. Jahrhundert mit Mauerarbeiten begonnen wurde", sagt Stadtarchäologe Thomas Patz. Doch an der charakteristischen Lagebauweise lassen sich die ältesten Teile der Mauer hier weiter zurück datieren: "Opus spicatum", die klassische römische Ziegelmauerung im Fischgrätmuster, sei hier abgewandelt wiederzufinden. "Die ottonischen Kaiser und ihre Baumeister lernen das in Rom kennen und nehmen das wieder auf", so Patz, wobei nördlich der Alpen dann variiert wurde. Die Variante aus der Duisburger Mauer, schräggelegte Ziegelreihen, dazwischen Tuffstein, sei von Kirchen in der Region bis zur holländischen Grenze bekannt, und die könnten, wie damit auch die Mauer, ziemlich genau auf die Jahrzehnte zwischen 970 und 990 datiert werden.

"Das zeigt, dass die Ausdehnung der ottonischen Pfalz schon bis hierhin ging", sagt Platz. Gleichzeitig bestätigen die weiteren Befunde, dass Johannes Corputius ganz genau hingeschaut hatte, als er 1566 seinen berühmten Stadtplan veröffentlichte. So sind in den oberen Maueraufbauten Spuren des "Zwischenturms" zu sehen, der auch auf dem Corputius-Plan genau hier zwischen den Wehrtürmen eingezeichnet ist.

Der Mauerabschnitt wurde jetzt freigelegt, wobei bis auf die Verplombung von Balkenlöchern und eine Abdeckung mit Basaltplatten, die vor Feuchtigkeit schützen soll, nichts hinzugefügt wurde. Und auch nichts, was nicht mehr da ist, rekonstruiert – Bestandserhalt geht vor Wiederherstellung. Nicht nur darin waren sich alle Beteiligten einig, wie Architekt Volker Findt erklärt: "Das wäre nie so reibungslos und auch zügig abgelaufen, wenn nicht alle beteiligten Stellen so vertrauensvoll zusammengearbeitet hätten." Ungefähr 90.000 Euro hat die Maßnahme gekostet. Gut angelegtes Geld, denn, so Thomas Patz: "Man kann die Mauer lesen wie ein Buch."

(Niederrhein Verlag GmbH)