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Da ist noch Luft nach oben

Da ist noch Luft nach oben
Für den Himmel über der Ruhr sind die Industriebetriebe im Revier wie Thyssen-Krupp in Bruckhausen sicher nach wie vor nicht folgenlos: Ein Viertel der Treibhausgase werden von sogenannten Großemittenten ausgestoßen. FOTO: tw/Archiv
Duisburg. Der Regionalverband Ruhr hat erstmals einen Bericht zur Lage der Umwelt in der Metropole Ruhr vorgelegt. Für Duisburg sind laut Umweltdezernent Ralf Krumpholz Lärmminderung, Klimaschutz und Grünflächenentwicklung die dringendsten Handlungsfelder. Ein paar mehr Öko-Bauern wären auch ganz schön. Von Thomas Warnecke

"Wie nicht anders zu erwarten, ist nicht alles Sonnenschein", begann Umweltdezernent Ralf Krumpholz die Vorstellung der Ergebnisse für Duisburg. Ein Luftkurort werde man vorerst wohl nicht; im Bereich erneuerbare Energien habe Duisburg noch viel Luft nach oben. Wie aktiv ist die Umweltwirtschaft im Ruhrgebiet? Wie wirkt sich der zunehmende Verkehr auf den Ballungsraum aus? Wie hoch sind Schadstoff- und Lärmbelastung? Diesen Fragen ist der Regionalverband Ruhr (RVR) im Auftrag der Umweltdezernenten im Ruhrgebiet nachgegangen.

Anhand von 15 ausgewählten Umweltindikatoren beschreibt der Bericht die aktuelle Situation. Mit ihm will die Metropole Ruhr die Grundlage für eine zukunftsfähige Umweltentwicklung legen. Erstellt wurde der Bericht durch das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. "Es ging schon darum, positive Beispiele in den Vordergrund zu stellen", so Krumpholz. Etwa bei beim CO2-Verbrauch oder der Stickstoffdioxid-Belastung stehe Duisburg einigermaßen gut da. "Da gab es keine Grenzwertüberschreitungen in den letzten zwei Jahren", was laut Krumpholz auch an den vielen Autobahnen in Duisburg liege: Da fließe der Verkehr schneller und also mit weniger Stickstoffausstoß ab als auf mehrspurigen innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen, wie es sie etwa mit der B 224 in Essen gebe. Für die Duisburger Lärmwerte wiederum wirkten sich die Autobahnen negativ aus, erklärt Krumpholz an einer Karte aus dem Umweltbericht, die auf Duisburger Gebiet ein dunkelrotes Doppelkreuz zeigt.

Der Bericht zeigt, dass vor allem bei Lärm und den Stickstoffdioxid-Belastungen Handlungsbedarf besteht. Auch beim Klimaschutz liegt die Metropole Ruhr hinter den Zielsetzungen des Bundes und des Landes. Erfolge gibt es aber bei der Feinstaubbelastung, der Gewässergüte und dem Biotopverbund. In der Umweltwirtschaft ist das Ruhrgebiet sogar beispielhaft. Sowohl nach Erwerbstätigenzahlen als auch nach Umsätzen ist die Region führend. Was ökologische Landwirtschaft angeht, steht Duisburg aber praktisch noch am Anfang. Es gebe zwar ohnehin nicht viel Landwirtschaft in Duisburg, so Krumpholz, aber trotzdem: Von allen landwirtschaftlich genutzten Flächen werden ganze 0,2 Prozent ökologisch bewirtschaftet, sprich: Von 100 Bauern ist nicht einer "Öko" (sondern nur einer zu einem Fünftel).

Für den Klimaschutz in Duisburg werde mit der Universität Duisburg-Essen gerade ein Konzept erarbeitet. Was die dringend nötige Lärmminderung angeht, erhofft sich Krumpholz Fortschritte durch E-Mobilität und einen Ausbau der Ladeinfrastruktur. Vorbildlich sei das jetzt an den Start gegangene "myBus"-Konzept der DVG mit Bussen nach Nachfrage: "Da wird die Reise hingehen." Gerade in belasteten Gebieten brauche Duisburg mehr Grünflächen, sagt Krumpholz, und nennt als Beispiel den Landschaftspark Nord und den geplanten Park auf der Mercatorinsel – der allerdings auch nur auf der Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Fläche entsteht. Mit der Gartenschau IGA 2027 würden die Aussichten dafür vielleicht "etwas rosiger."

(Niederrhein Verlag GmbH)