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Düster und hart

Düster und hart
Wie ausgemeißelt vollzieht sich das Drama um Desdemona (Brigitta Kele), Jago (Simon Neal) und Otello (Gustavo Porta) in Michael Thalheimers starker Inszenierung. FOTO: Birgit Hupfeld
Ruhrort. Mit Giuseppe Verdis "Otello" feierte erstmals im Theater Duisburg eine Operninszenierung von Michael Thalheimer Premiere. Schwarz in schwarz – aber alles war sichtbar. Von Thomas Warnecke

Ganz ehrlich: Wenn's nach mir ginge, würde der eine in Gelb auftreten und der andere in Blau und der oder die Dritte in Rosa oder so, damit man das Wer-mit-wem auch ohne Opernglas aus der letzten Reihe überblicken kann. Michaela Barth aber steckt das Otello-Personal samt und sonders in Schwarz, Henrik Ahr hat einen schwarzen Kasten drumherumgebaut – und es wird trotzdem alles klar in dieser Düsterburg-Oper. Was einmal an der phänomenalen Arbeit der Beleuchter um Stefan Bolliger liegt und dann an der wieder einmal starken Personenführung Michael Thalheimers, dessen "Perser" zu den letzten Akzenten quasi das Äußerste an Dramatik bei fast stillgestellten Akteuren bot. Was damals die sensationellen Sprecherleistungen waren, ist jetzt die Gesangskunst: Insbesondere Simon Neal als Jago und die überragende Brigitta Kele als Desdemona geben ihren Charakteren trennscharfes Profil. Vollends der Chor sorgt als akustisches Pendant zur Schwärze des Settings für einen allzeit bedrohlichen, explosiven Hintergrund. Wem dann trotzdem die zur Katastrophe führende Eifersucht Otellos ein wenig albern oder übertrieben vorkommt oder gar jämmerlich – der möge kurz an Stan Libuda denken: Dem Fußballer, der sprichwörtlich als einziger an Gott vorbeikam, brauchte vor Anpfiff nur ein Satz ins Ohr geflüstert zu werden und er traf keinen Ball mehr: "Weißt du eigentlich, was deine Frau gerade macht?" Wollen wir hoffen, sie sitzt am Freitag, 23. November, ab 19.30 Uhr im Theater Duisburg (oder am 1., 9. oder 12. Dezember); Karten unter (0203) 283 62 100.

(Niederrhein Verlag GmbH)