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Altmeisterliche Angebote

Altmeisterliche Angebote
Michael Kiefer und sein Bild „Das Volk ver(ur)teilt einen Fisch und fühlt sich vom Betrachter beobachtet und macht Quatsch“. FOTO: tw
Duisburg. Volles Haus zum Heimspiel: Mit "Vor Ort 2018" wurde am Samstag quasi das "Best of" der Interessengemeinschaft Duisburger Künstler im Lehmbruck-Museum eröffnet. Von Thomas Warnecke

Starke Ansagen machen zum Eingang Ulrike Waltemathes additiver Formbau "Kontakt" und Pia Winkensterns Weihrauchkessel ohne Titel, der wie in Santiago de Compostela am Seil unter der Decke hängt – und der aus Patronenhülsen gefertigt ist, während Waltemathes biomorphes Duo aus Q-Tipps bzw. Kunststoffkegeln besteht und nicht nur wegen des dreibeinigen Ständers irgendwie an die Nierentischzeit erinnert.

"Zeichnungen, überraschenderweise" machte Museumsdirektorin Söke Dinkla als einen Schwerpunkt der Präsentation aus, beispielhaft altmeisterlich die Insekten-Arabeske von Cornelia Schweinoch-Kröning. Ans Ende der Kohleförderung erinnern Will Brands' Wagenlenker und André Schweers' "Flags"; in Walter Schernsteins Schwarz-Weiß-Fotos scheint sich Bruckhausen noch einmal aufzulösen.

Vollends altmeisterlich und damit ebenso witzig wie reich an Anspielungen: Michael Kiefers Gemälde "Das Volk ver(ur)teilt einen Fisch und fühlt sich vom Betrachter beobachtet und macht Quatsch". Der feinmalerisch-farbige Fisch im Vordergrund erhöht noch den Eindruck, Kiefer habe eine Fotografie bemalt, doch ist das Filmstill aus Fritz Langs "M" mit Airbrush auf die Hartfaserplatte gesprüht. Neben den religiösen Lesarten (Fisch, Abendmahl) macht hier vor allem das Spiel mit dem Illusionismus und allerhand Meta-Ebenen Spaß: Man sieht einem Bild beim Bildwerden zu. Und irgendwie gibt's von da Verbindungen zu Christina Böcklers "Siedlung Freihafen", die mit schwebenden Schubladen in Mondrian-Anordnung Kapitalismuskritik betreibt ...

Starke Bilder gibt's auch in der Sammlungsausstellung "Meisterwerke des Expressionismus" zu sehen, die nach den Themen "Akt im Atelier/in der Natur" aufgebaut ist und neben den farbkräftigen Gemälden der "Brücke" und des "Blauen Reiters" auch prominent Arbeiten Wilhelm Lehmbrucks zeigt. Als Auftakt zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum ist außerdem Oskar Schlemmer mit grafischen, malerischen und skulpturalen Arbeiten und einer Filmaufnahme seines "Triadischen Balletts" zu sehen – die dritte Schau, die am Samstag im Lehmbruck-Museum eröffnet wurde. Alle sind sie bis zum 17. Februar dort zu sehen.

(Niederrhein Verlag GmbH)