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Die Planer des Designer Outlet Center DOC werben für ein "Nein" beim Bürgerentscheid
„Das letzte Kronjuwel in Europa“

Die Planer des Designer Outlet Center DOC werben für ein "Nein" beim Bürgerentscheid: „Das letzte Kronjuwel in Europa“
Sebastian Sommer, Neinver, Edda Metz und Kurt Krieger in der alten Güterbahnhofshalle. FOTO: tw
Duisburg. Kurt Krieger und der Outlet-Betreiber Neinver haben auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände ihre Pläne fürs DOC vorgestellt und versprechen "ein Stück Duisburg". Von Thomas Warnecke

"Dieses Grundstück auf dem alten Güterbahnhof ist affengeil, wie der Berliner sagen würde", sagt der Berliner Kurt Krieger. Nachdem er mit seinen Möbelhaus-Plänen gescheitert ist und auch für Büroansiedlungen keine Mieter gefunden hat, soll es jetzt ein "Designer Outlet Center" (DOC) werden. Krieger und Sebastian Sommer, Deutschland-Geschäftsführer des spanischen Outlet-Betreibers Neinver, legen Wert auf die Feststellung, dass sie etwas von Gewerbeansiedlung verstehen, und vor allem, dass mit dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände der ideale Standort vorhanden sei – was Genehmigungsfähigkeit, Einzugsgebiet, Lage an der Autobahn und Hauptbahnhofsnähe angehe, sei kein Standort besser geeignet. Sommer spricht gar vom "letzten Kronjuwel der Outlet-Entwicklung in Europa."

Wie ein Juwel oder Diamant sieht auch das rote Herz aus, mit dem die DOC-Planer für "ein Stück Duisburg" werben, wobei ein rosa hervorgehobenes Dreieck das Gelände zwischen Karl-Lehr- und Koloniestraße als Teil im Herzen Duisburgs markiert. "Man kann einer Stadt nichts wegnehmen, was sie nicht hat", hält Krieger den DOC-Gegnern entgegen und legt Zahlen vor, die den Rückgang des Einzelhandels in der Innenstadt längst vor dem DOC belegen sollen: von 2008 noch 435 Einzelhandelsbetrieben seien 2017 nur noch 334 geblieben. "Der Gegner der Innenstadt sitzt nicht im Güterbahnhof", sagt Krieger, sondern im Internet, wo heute schon 15 Prozent der Einkäufe getätigt würden und in zehn Jahren 25 Prozent, wie Krieger prognostiziert. Dagegen brauche es "Glanz", das Juwel, das Designer Outlet Center.

Ein Ort mit Ausflugscharakter, wie Sebastian Sommer verspricht. Ein Imagefilm auf der Homepage www.einstueckduisburg.de zeigt es: Einzelne Gebäude in Werkshallenanmutung in einer weitläufigen Parklandschaft, ein Restaurant im Container, das per Kran angehoben zur "Sky Lounge" wird. Während Sommer erklärt, dass es für die konkrete Ausgestaltung der Pläne noch zu früh sei, erklärt Krieger: "Wenn das DOC kommt, werden Sie den Kran mit dem Restaurant sehen."

Und ein DOC sei eben etwas völlig anderes als ein Einkaufszentrum oder das früher geplante "MultiCasa" mit seiner "völlig abstrusen Größenordnung" (Krieger). Auch deshalb, so Sebastian Sommer, weil in Deutschland viel strenger als im Ausland reglementiert sei, was Outlet-Ware ist. Im DOC werde es nur retournierte Altware geben. Neu kämen dafür über 1.500 direkte Arbeitsplätze vom Fachverkäufer bis zum Manager – und Kunden von auswärts, verspricht Sommer: "14 Millionen potenzielle Besucher" sieht er und berichtet von anderen Neinver-Standorten: "Zwischen 70 und 80 Prozent der Besucher unserer Outlet-Center kommen aus einer Entfernung von über 20 Autominuten." Durch das DOC würde Duisburg insgesamt attraktiver. Nicht Schnäppchen, sondern attraktive Marken seien das Zugpferd für Outlet-Center, und deren Präsentation auf einem möglichst kleinteilig gestalteten Areal, Stichwort "Village-Stil", der in Duisburg dann an alte Industriearchitektur anknüpfen soll. Und sich zur Innenstadt öffnen – Sommer wünscht sich eine Anbindung, die einfach und interessant ist, "der Verbraucher ist ja grundsätzlich bequem", aber Sommer sieht viele mögliche Wegebeziehungen zur Innenstadt. Kurt Krieger und seine Geschäftsführerin Edda Metz sprechen von "Trittsteinen", die die DOC-Besucher auch auf die Königstraße führen sollen, und sehen durch das DOC auch Potenziale für weitere Gewerbeansiedlungen beispielsweise an der Mercatorstraße.

Bei der Gestaltung der Fläche südlich der Karl-Lehr-Straße sollen die Bürger über Workshops oder Charrette-Verfahren beteiligt werden, so Krieger. Edda Metz bekräftigt, dass die Loveparade-Gedenkstätte nicht berührt und unverändert in die Planung einbezogen werde. Krieger sieht insgesamt eine große Akzeptanz für seine Pläne; "die Gegner sitzen nicht in Duisburg, sondern in Düsseldorf, Essen oder Roermond", eine Klagewelle hat er einkalkuliert. Zwei Jahre ungefähr würde die Planung dauern, die Bauzeit etwas weniger.

Was aber auf dem DOC-Gelände passiert, wenn am 24. September eine Mehrheit der Duisburger mit "Ja" stimmt – wer für das DOC bzw. die weitere Planung ist, muss mit "Nein" stimmen – weiß Krieger noch nicht, bis auf das: Er will keinesfalls drohen, aber "ich kann mir nicht vorstellen, das Grundstück an die Stadt zu verkaufen."

(Niederrhein Verlag GmbH)