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Spiel mal ernsthaft

Spiel mal ernsthaft
Malte Sachtleben, Julia Sylvester, Lisa Marie Gerl und Philip Pelzer total ernst in „Bunbury ...“ FOTO: Martin Büttner
Dinslaken. Oscar Wildes bestes Theaterstück, wie nicht nur Mirko Schombert findet, hatte auf der Burghofbühne Dinslaken im Tribünenhaus der Trabrennbahn Premiere: "Bunbury oder die Kunst, ernst zu sein". Bzw. Ernst. Von Thomas Warnecke

Es ist ein Glücksfall für alle Übersetzer, dass sich Vorname, Substantiv und Adjektiv Earnest/earnest fast gleichlautend ins Deutsche übersetzen lassen und auch das gleiche bedeuten. Denn während Algernon für die Absage von Tantenkaffees und anderen unliebsamen Terminen den sterbenskranken Bunbury erfunden hat, gibt sich Jack in der Stadt als sein Bruder Ernst aus. Und mit dem nötigen, erfundenen und dem überflüssigen Ernst wortspielt sich Oscar Wilde durch eine klassische, also ordentlich alberne Komödienhandlung. Die eigentlich nur aus geistreichen Aphorismen besteht – Unterhaltsamkeit ist alles.

Wobei das so eine Sache ist: Was bei der Uraufführung 1895 unverschämt, subversiv, komisch wirkte, ist heute vielleicht nur noch nett. Die dekadent-dandyhafte Salonatmosphäre wirkt angestaubt, Wildes geistreiche Sätze füllen mittlerweile Zitatensammlungen.

Deshalb hatte Regisseurin Nadja Blank eine ausgezeichnete Idee und verlegte die Handlung in einen Zirkus. Hier gehört Fadenscheinigkeit unbedingt dazu, hier bröckelt sichtbar der Lack von den Kulissen wie von den Lügengebäuden der Freunde Jack und Algernon. Hier passt es, wenn die Gags fast mechanisch wirken. Ausgestellt wie bei Bert Brechts V-Effekt wird die geistreiche Rhetorik das, was sie eben eigentlich ist: eine Zirkusnummer. Die Philip Pelzer und Malte Sachtleben durchaus Artistik abverlangt.

Sie spielen sich rein in das Pointenfeuerwerk und finden zu ihrer Sprache, am besten Julia Sylvester, deren gören-girliehafte Cecily Cardew am meisten wie von heute klingt. Überhaupt machen hier die Frauen das Tempo, Jasmina Music gibt die fiese Tante als Domina, Lisa Marie Gerl als zweite beworbene Braut Gwendolen Fairfax bewegt sich wie eine Aufziehpuppe. Ernst nimmt die Sache mit der Verheiratung hier keiner, aber dass die Herren sich gefälligst Mühe zu geben haben, um vorzutäuschen, dass es ihnen ernst ist, das macht die Sache spaßig. Und ernsthaft abgründig wie Andreas Petri in seiner Doppelrolle als Diener und Gouvernante.

(Niederrhein Verlag GmbH)