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Marcel ist schwerst mehrfachbehindert. Die Delfin-Therapie ist sein großer Traum.
Einmal mit Delfinen schwimmen

Marcel ist schwerst mehrfachbehindert. Die Delfin-Therapie ist sein großer Traum.: Einmal mit Delfinen schwimmen
Mutter Anja und Schwester Aileen unternehmen viel mit Marcel, der gerne Eindrücke sammelt. Am liebsten mag der 22-Jährige Zoobesuche oder besucht die Pferde seines Onkels. FOTO: cb
Moers. Marcel ist ein fröhlicher junger Mann aus Moers. Er mag ausgedehnte Spaziergänge und geht gerne in den Zoo. Doch dies wird er nie alleine können. Denn der 22-Jährige ist schwerst mehrfachbehindert und gefangen im eigenen Körper. Sein Traum: Einmal mit Delfinen zu schwimmen. Von Claudia Basener

Marcel leidet seit er zwei ist an einer Celebralen-Tetraparese, die spastische Lähmung beeinträchtigt nicht nur die Gliedmaßen sondern auch die Sprach- und Schluckmuskulatur. Die ist die Folge einer Sauerstoffunterversorgung bei einer "Routine-OP", in der ein angeborener Nabelbruch behoben wurde. "Vom Kopf her ist er normal. Aber die Impulse vom Gehirn werden nicht an den Körper weitergeleitet", erklärt seine Mutter Anja wie sich die Krankheit bei ihrem Sohn auswirkt. Das bedeutet: Marcel versteht, was um ihn herum passiert, aber sein Körper gehorcht ihm nicht. Er kann nicht laufen, nicht alleine essen oder trinken und ist immer auf fremde Hilfe angewiesen. Einzelne Wörter kann er sprechen, je nach Tagesform schafft er auch kurze Sätze. Aber eine aktive Sprache hat er nie entwickelt, bemüht sich aber Fragen durch seine Mimik zu beantworten.

Seine Mutter und seine Schwester verstehen Marcel und gehen so normal mit ihm um, wie es möglich ist. Denn Marcel hasse es, wie ein Kleinkind behandelt zu werden, erzählt seine Schwester Aileen. Recht hat er, schließlich ist er 22 Jahre, ziemlich clever und ehrgeizig. In der Krankengymnastik und Logopädie arbeitet Marcel fleißig daran, seine Fähigkeiten zu verbessern. Doch was von der Krankenkasse genehmigt wird, reicht gerade mal dazu, das Notwendigste zu trainieren. Geübt wird in der CWWN-Werkstatt, dort halten die Caritas Werkstätten Niederrhein angemessene Arbeits- und Förderangebote für Menschen mit Behinderungen bereit. Seit 2010 arbeitet Marcel dort. "Weil er so ein fröhlicher und neugieriger Junge ist, durfte er sich in alle möglichen Bereichen einarbeiten. Momentan verpackt seine Gruppe die kleinen Röhrchen, die Ärzte zum Blutabnehmen brauchen." Feierabend ist um 16 Uhr. Dann geht's nach Hause. Das ist eine behindertengerechte Wohnung - mit Rampe im Eingangsbereich und extra breiten Türen.

In seiner Freizeit schaut Marcel gerne Tierdokus oder besucht die Pferde seines Onkels. "Marcel liebt Tiere und die Tiere lieben ihn", sagt die Mutter. Geht es um die Delfin-Therapie strahlt Marcel daher auch übers ganze Gesicht.
Das erste Mal kam dieses Thema im Petö-Institut in Oberhausen auf, wo Marcel im Kleinkindalter an therapeutischen Maßnahmen teilnahm. Dort gab es eine Familie, die sich den Traum von der Delfin-Therapie verwirklichen konnte und mit einem völlig positiv veränderten Kind wieder Heim kam. Seitdem begleitet der Gedanke an die Delfine die kleine Familie Boeck. Mal mehr, mal weniger. "Es gab Phasen, da war man so ausgelaugt, dass man keine Energie aufwenden konnte", erzählt die alleinerziehende Mutter.

Doch im Herbst letzten Jahres wurde die Idee immer konkreter, als die Schwägerin Kontakt zu einer Familie bekommt, die zur Delfin-Therapie nach Curacao reisen möchte. "Wir informierten uns im Internet, wurden Mitglied bei dolphin aid e.V. und begannen damit, Spendengelder zu sammeln." Kein leichtes Unterfangen. Die Familie möchte nicht betteln oder ihre Geschichte ausschlachten lassen. Man bittet in Geschäften darum, Spendendosen aufstellen zu dürfen. Doch stößt dabei auf viel Ablehnung. 40 Dosen haben die Boecks anfertigen lassen, nur acht wurden angenommen. Und nicht nur das. Es kam auch vor, dass gesammelte Spenden von der Ladentheke geklaut wurden. Rückschläge, mit denen man erst mal fertig werden muss. Doch der Wunsch Marcels großen Traum zu erfüllen, treibt die Familie an. Besonders seit Termin und Ort feststehen: Im Mai 2016 ist ein Platz im Delfin-Therapie-Zentrum auf Curacao frei!

Der Aufenthalt dort würde zwei Wochen dauern, momentan rechnet der Verein mit Kosten von etwa 14.000 Euro.
Die Familie setzt große Hoffnungen in die Therapie, erwartet aber keine Wunder. "Wir haben großartige Geschichten gelesen, von dem, was in zwei Wochen möglich ist. Aber wir wissen auch, dass die Therapie bei jedem anders anschlägt." So ist man "bescheiden", was Marcel angeht: "Wir wünschen uns, dass seine Bewegungen weicher werden und er seinen Wortschatz erweitern kann, um sich besser äußern zu können, wenn ihm etwas fehlt oder ihm etwas auf dem Herzen liegt." Dies hält die Mutter auch im Hinblick auf die Zukunft für einen wichtigen Schritt: "Ich werde nicht immer in der Lage sein, mich um ihn zu kümmern. Wenn Marcel in ein Pflegeheim kommen würde, sollte er uns mitteilen können, wie dort mit ihm umgegangen wird." Dies ist nicht nur die Angst einer sich sorgenden Mutter sondern auch eine Angst, die auf gemachten Erfahrungen beruht: "Aus einer Freizeit kam Marcel unterernährt und schwer verletzt wieder. Die Situation war lebensbedrohlich. Doch niemand sagte uns, was geschehen war. So etwas soll nicht noch mal passieren."

Auch andere Erlebnisse der Familie lassen einen ungläubig mit den Kopf schütteln, etwa wenn Marcels Perso-Bild nicht akzeptiert wird, weil er nicht wie vorgeschrieben in die Kamera geschaut hat. Oder wenn man bei der Wohnungssuche gesagt bekommt, dass "drei Stufen doch kein Problem seien". "Wir haben uns ein dickes Fell zulegen müssen", so Marcels Mutter. Doch schwache Momente hat auch sie. Mit den Jahren werden es immer mehr: "Am Anfang hat man viel verdrängt und einfach funktioniert, doch mit der Zeit macht man sich immer mehr Gedanken. Das merkt auch Marcel und es macht ihn traurig, weil er mir nicht helfen kann." Für die Familie ist die Situation eine enorme Belastung. Ihr größter Wunsch wäre etwas mehr "Normalität" im Alltag. Die Delfintherapie könnte einen wichtigen Schritt dahin bedeuten.

All diejenigen, die Marcel helfen wollen, seinen Traum zu realisieren, können an dolphin aid spenden. "Das Geld wird nur für diesen einen Zweck genutzt", versichert der Verein.

Hier die Bankverbindung
dolphin aid e.V.
Stadtsparkasse Düsseldorf
IBAN: DE52300501100020002424
Wichtig! Verwendungszweck: Marcel Boeck

 

Weitere Infos zur Delfin-Therapie gibt es hier.